Hallo mal wieder alle zusammen. Da ich euch vor 10 Tagen ja einige schöne Bilder der Natur in Kyoto gezeigt habe, habe ich gedacht ich zeige auch mal die andere Seite: große Bauten aus Beton, Stahl und Glas. Natürlich sind überall in der Stadt Zeichen japanischer Kultur und Kunst zu finden, wie kleine Schreine, Statuen und ähnliches und ein Student der Architektur könnte mir wahrscheinlich genau erklären, wo der Unterschied zwischen moderner japanischer und europäischer Baukunst liegt, aber meinem ungeschulten Auge fallen die meisten Unterschiede nur auf, wenn sie mich mit einem Zaunpfahl verprügeln.
Das Herz jeder Stadt: das Rathaus. In Kyoto fällt es wie in vielen anderen Städten durch den sauber gepflegten Platz davor direkt auf. Es ist zwar deutlich kleiner als die Hochhäuser in der direkten Umgebung, aber ein eindeutiger Blickfang. Wäre ich ein Romantiker oder sowas könnte ich jetzt bestimmt noch was zu den schönen roten Herbstblättern an den Bäumen vor dem Rathaus sagen, aber da ich das nicht bin und diesen Post wie angesprochen sowieso nicht der Natur hier widmen wollte gehen wir lieber dazu über worüber ich diesmal eigentlich berichten will.
Diese bereits angesprochenen Gigangen aus Stahl, Beton und Glas zieren den größten Teil der Innenstadt. Ich bin eigentlich etwas froh, dass mein Wonheim und auch der Uni-Campus nicht in der Innenstadt liegen. Dies hat nicht den Grund, dass ich keine Hochhäuser mag, oder der Verkehr in der Innenstadt recht laut sein kann (was er zweifelsfrei ist, mich allerdings nicht wirklich stören würde). Das Problem liegt für einen praktsich veranlagten Menschen, wie ich es einer bin an einer ganz anderen Stelle:
Das simple Problem in der Innenstadt ist, dass das Konzept "Grüne Welle" die Japaner scheinbar noch nicht erreicht hat. Abgesehen davon ist in der Innenstadt sowieso Fahrrad-Verbot was mir mehr als ein Dorn im Auge wäre, wenn ich da jeden Tag durchfahren müsste.... Aber auch für die Autos bedeutet dies einen unheimlich stockenden Verkehr. Aber ich will mit den Japanern nicht zu hart ins Gericht gehen, denn die Verkehrssituation in europäischen Innenstädten ist nunmal zu Stoßzeiten nicht wirklich anders (ich liebe die Tage an denen ich in Heidelberg zum Feierabendverkehr von der Uni heimfahre und wärend meiner gesammten Fahrt an stehenden Autos vorbeifahre :D ).
Das die Japaner sich schon gewisse Gedanken um praktische Infrastrukturen und andere Dinge des Lebens machen zeigt dieser Blick auf die Haupteinkaufsstraße in Shijo, dem Kern der Innenstadt. Ja, Straße, nicht Passage oder sowas... Eigentlich habe ich immer angenommen die Straße sei eine Fußgängerzone, aber mir fällt beim Betrachten des Bildes grade das Tempo-30 Schild auf, was mich grade irgendwie verwundert.... naja, wer da mit Tempo 30 durchfährt sollte jedenfalls wegen vorsätzlichem Massenmord verurteilt werden...^^
Jedenfalls ist die gesammte Einkaufsstraße überdacht und das bei einer Länge von grob geschätzt 2 km (wer mich kennt weiß, dass ich im Schätzen von größeren Längen nie besonders gut war... ^^) und das ganze ist nicht einzigartig, sondern wird bei der Parallelstraße nebenan genau gleich nochmal wiederholt. Das würde das Einkaufen im Regen deutlich angenehmern gestalten, wenn ich nur einigermaßen trocken in Shijo ankommen würde... allerdings ist die nächste U-Bahn Haltestelle etwas von meinem Wonheim entfernt... das ganze bringt mir also praktisch doch nicht so viel...
In einer echten Großstadt, darf ein Starbucks natürlich nicht fehlen. Was auf diesem Bild allerdings nicht zu sehen ist: 3 Häuser weiter gibts direkt den nächsten Starbucks, und dazwischen noch nen anderes Café. Und das ist nicht übertrieben. Das ist nicht überall in Kyoto so, aber in der Straße in der ich dieses Foto gemacht habe ist es definitiv der Fall. Das liegt wohl daran, dass dort große Banken und andere Firmen angesiedelt waren, deren Mitarbeiter vor ihrer Arbeit sich gerne mal einen Kaffee holen aber nicht lange dafür anstehen wollen.
Der 23. Dezember ist der Geburtstag des aktuellen Kaisers und somit ein nationaler Feiertag. Daher haben zumindest die Schulen und Universitäten so ziemlich die gleichen Winterferien wie ihre europäischen Pendants.
Was mich auch zu dem Punkt bringt, dass ich derzeit gar nicht weiß, ob ich an Weihnachten eigenltich im Labor erwartet werde oder nicht... naja, mal gucken. Ich denke nicht dass die Japaner es mir ankreiden würden an Weihnachten nicht zu erscheinen, aber ehrlichgesagt weiß ich noch gar nicht wie ich Weihnachten hier verbringen werde... bevor ich alleine in meinem Zimmer rumsitze werd ich sicher in die Uni fahren, aber da finden sich bis dahin bestimmt noch vielversprechendere Alternativen.
Ich wünsche jedenfalls allen in der Heimat, oder wo ihr euch auch immer grade rumtreibt, eine schöne Adventszeit und freue mich wie immer auch von euch mal was zu hören :D
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